Selbstverständnis

Noya- ein paar Sätze zum Entstehungszusammenhang

Ziemlich genau eine Woche nach dem G8-Gipfel im Juni 2007 gründete sich Noya als Jugendorganisation von Attac. Erklärtes Ziel war es „junge Menschen für die globalisierungskritische Bewegung zu begeistern.“ Viele Gründungsmitglieder hatten sich an den friedlichen Protesten rund um den herrschaftlichen Zaun in Heiligendamm beteiligt und durch die Gründung des „Network of Young Altermondialists“ die Notwendigkeit manifestiert durch „Bildungskampagnen und politische Aktionen eigene Akzente zu setzen“ und so am „Guten Leben“ für alle zu arbeiten. Von Beginn an verstand sich Noya als basisdemokratisch organisierter, aktivistisch orientierter Bestandteil der linken sozialen Bewegung.
Das Verhältnis zu Attac war geprägt durch inhaltliche wie institutionelle Nähe sowie dem Bewusstsein Attac als Teil der globalisiserungskritischen Bewegung mit prägen zu können.
Noya setzte sich vor allem mit den ökonomischen, international wirksamen Dimensionen von Globalisierung auseinander, widmet sich den Zusammenhängen zwischen Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene und setzt sich für eine soziale und ökologisch gerechte Globalisierung ein. Noya kombinierte die Vielzahl der gewaltfreien politischen Aktionsformen, um einen bunten und kreativen Protest auf die Straße zu bringen.
Die lokalen Noya-Gruppen bilden bis heute die wichtigste Ebene auf der die konkrete Vernetzung der Aktivist*innen stattfindet. Im Bewusstsein der Heterogenität der einzelnen lokalen Noya-Gruppen befürworten wir nach wie vor, dass Ortsgruppen strukturell wie inhaltlich eigenständig bleiben, sich gleichzeitig aber an bundesweiten Kampagnen beteiligen können.
Noya lebt stark von den Aktivist*innen und den Themen, die eingebracht werden und so die Arbeit eines lokalen Zusammenschlusses wie eben auch Noya Berlin prägen.

(Aktuelle) Arbeitsschwerpunkte

Noya Berlin ist keine homogene Gruppe, sondern ein Netzwerk von Einzelpersonen, in das wir unsere bisherigen Erfahrungen einbringen, gemeinsam reflektieren und aufgrund übereinstimmender Überzeugungen aktiv werden.
Basisdemokratische Organisierung und Selbstbestimmung sowie die Ablehnung bestehender Herrschaftsverhältnisse sind die Grundprinzipien unserer Zusammenarbeit. Sie sind gleichsam grundlegende Ansätze, die wir den existenziellen Bedrohungen und perfiden Zuständen des Kapitalismus entgegensetzen wollen. Der Umgang, den wir miteinander pflegen, soll uns einerseits dabei helfen auch der eigenen alltägliche Eingebundenheit etwas entgegenzusetzen sowie gleich den politischen Anspruch reflektieren, den wir an ein Gesellschaftssystem stellen.
Dazu behandeln wir ein breites Themenfeld, bei dem wir uns immer wieder praktisch in aktuelle lokale Kämpfe einbringen.
Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Blockupy, Refugee-Support, transnationale Vernetzung

Was wir wollen/ nicht wollen

Auch wir sind für Globalisierung, doch denken wir dabei nicht an vermeintlich freien Handel, Finanztransaktionen, Militarismus und Imperialismus, sondern an globale Gerechtigkeit sowie die freie Bewegung von Menschen, Ideen und Werten.
Unser aktuelles Gesellschaftssystem ist durch massive Gewalt gekennzeichnet – systemische, strukturelle Gewalt gegen Frauen*, Menschen mit anderen als den heteronormativen Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität, Obdachlose, Geflüchtete, ethnische Minderheiten, Menschen mit Behinderung, Lohnabhängige und Natur. Durch unsere Arbeit möchten wir den Prozess der emanzipatorischen Überwindung dieser gesellschaftlichen Realitäten mit voran bringen.

Praxis

Deshalb beteiligen wir uns an oder machen selbst Info- und Diskussionsveranstaltungen über aus unserer Sicht zentrale Themen, unterstützen andere Gruppen mit Soli-Aktionen oder beteiligen uns an Demos oder auch zivilem Ungehorsam. Ohne Akte des zivilen Ungehorsams wird das Wort Demokratie in diesen gesellschaftlichen Verhältnissen oftmals zu einem leeren Versprechen gemacht.
Aber nicht jeder gesellschaftliche Protest gegen die existierenden Ausbeutungsstrukturen ist gleich emanzipatorisch (mensch denke nur an PEGIDA). Vielmehr bedarf es hier der Zusammenarbeit (unterschiedlichster linker Bündnisse) um kontrovers, Positionen in den gesellschaftlichen Alltag zu tragen, die diesen durchbrechen und Alternativen wieder wahrnehmbar machen. Aus dieser Überzeugung heraus fühlen wir uns der außerparlamentarischen Arbeit in Netzwerken und Bündnissen wie Attac und Blockupy verpflichtet. Praktische Arbeit ohne theoretische Reflexion verfällt schnell in unbedachten Aktionismus, der unserem Anspruch auf kritische Selbstreflexion widerspricht. Daher wollen wir ein sozialer Ort sein, an dem kritisches Wissen ausgetauscht und auch produziert wird, dieses Wissen praktisch verankert ist und auch in praktisches Handeln mündet.

Offenheit

Offenheit und Reflexion sind für uns als Grundprinzipien Teil unserer basisdemokratischen Organisation. Deswegen glauben wir nicht daran, die „Wahrheit“ gepachtet zu haben, oder fehlerfrei zu handeln. Im Gegenteil, wir versuchen stets unsere Handlungen und Vorstellungen kritisch zu hinterfragen, um uns so gegenseitig in unseren Lernprozessen zu unterstützen. Wir haben nicht den Anspruch, aktivistischen Newcomern die Welt zu erklären, sondern wollen Freiräume schaffen, in denen Menschen mit anderen im Austausch nach demokratischen und sozialen Alternativen zum aktuellen System suchen können. Wir wollen nicht zu einer Gruppe von Berufsaktivist*Innen werden, deren professioneller Anspruch Abgrenzung schafft, und Menschen mit weniger aktivistischer Erfahrung den Zugang zu politischer Betätigung erschwert. Gleichzeitig wollen wir natürlich ernsthaft arbeiten, um uns aktiv in gesellschaftliche Prozesse einbringen zu können. Dazu gehört die regelmäßige Teilnahme an Gruppentreffen sowie die Bereitschaft, solidarisch, verantwortungsvoll und zuverlässig miteinander zu arbeiten. Dieser Spagat zwischen Offenheit und Professionalisierung ist Teil unserer Arbeitsgrundlage.

Theorie

Rassismus gegen Geflüchtete und Minderheiten haben bei uns ebenso keinen Platz wie imperialistische Politik westlicher Regierungen, Weltbank und IWF, die sowohl die Machtverhältnisse innerhalb von Nationalstaaten als auch zwischen verschiedenen Regionen aufrecht erhalten sollen. Egal ob sexistische Forderung nach einer Rückkehr zu „traditionellen“ Familienmodellen, heteronormativer Panik vor einer vermeintlichen “Homo-Lobby”, klassistischer “Unterschichtenphobie”, antisemitischer Verschwörungstheorien gegen ein angeblich im Hinterzimmer agierendes, raffendes Finanzkapital oder rassistische Hetze gegen eine scheinbare “Überfremdung” durch Geflüchtete und „Sozialschmarotzer“, wir stellen fest: gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Personalisierungen gesellschaftlicher Kritik sollen vor allem die systemische Krise des globalen Kapitalismus verdecken. Die kapitalistische Krise ist nicht durch das Versagen Einzelner oder bestimmter Gruppen zu erklären, sondern begründet sich aus den internen Widersprüchen des globalen Kapitalismus und der Unmöglichkeit einer endlosen Kapitalakkumulation, die sich auch nicht lediglich durch grünes oder nachhaltiges Wachstum beheben lässt.

Neue Leute sind immer willkommen!

Vor diesem Hintergrund ist es Zeit, verstärkt nach gesellschaftlichen Alternativen zu suchen. Der Ideenlosigkeit herrschender Gruppen, die außer Austerität, rassistischer Hetze und Chauvinismus nicht viel zu bieten haben, setzen wir direkte Demokratie, solidarisches Wirtschaften und die Forderung nach einem „Guten Leben“ für alle entgegen. Wir freuen uns über die aktive Teilnahme aller Interessierten, die Politik kennenlernen, verstehen und verändern wollen; die wie wir der Meinung sind, dass Demokratie mehr ist, als alle paar Jahre ein Kreuzchen zu machen; die mit uns nach demokratischen und sozialen Alternativen zum aktuellen System suchen wollen. Wie sehen uns auf der Straße.

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